0 In Meer davon...

# Meine Angst vor Haien und wie ich gelernt habe, damit umzugehen

Angst vor Haien Titelbild

 

Bei dem Wort „Hai“ haben die meisten Menschen direkt das Bild eines menschenfressenden, weißen Haies im Kopf – und ehrlich gesagt ging es mir ähnlich. Woher meine Angst kommt, kann ich gar nicht sagen. Viele Taucher sind total fasziniert von Haien und nehmen extra weite Reisen auf sich auf um die Tiere live zu sehen und zu beobachten. Als ich mit dem Tauchen angefangen habe, war das für mich unvorstellbar! Wieso sollte ich mich freiwillig in so eine Gefahr begeben? Es hat etwas länger gedauert, bis ich 1. mich intensiver mit dem Thema „Hai“ beschäftigt habe und 2. verstanden habe, wie wertvoll Haie für uns und unsere Umwelt sind.

Wie hat sich meine Angst vor Haien gezeigt?

Im Alltag war meine Hai-Angst nie ein Thema, denn auf der Straße wird mir kein Hai begegnen und wenn eine Doku im TV lief, habe ich mir diese sogar gerne angeschaut, denn eine gewisse Faszination haben Haie – aus der weiten, weiten Ferne – schon immer auf mich gehabt. Anders sah die Sache aus, sobald es ans bzw. ins Meer ging. Ich liebe das Meer, es zieht mich magisch an. Ich kann stundenlang aufs Meer hinaus sehen ohne mich zu langweilen, doch weit hinaus schwimmen? Never ever! Mich könnte ja ein Hai angreifen! Also habe ich immer nur in Strandnähe „geplanscht“ und wenn ich richtig schwimmen wollte, bin ich in den Pool.

Als ich dann hier in Deutschland meinen Tauchschein gemacht habe, ist mir langsam bewusst geworden, dass ich ja nun unter Wasser irgendwann mal auf einen Hai treffen könnte. So fing ich an anfangs an, jeden Taucher den ich getroffen habe zu fragen: „Hast du schon mal einen Hai“ gesehen? Meistens war die Antwort nur ein „ja“, mehr nicht. Ich war ja schon beim Fragen nervös und saß dann immer erwartungsvoll da und habe auf irgend eine „krasse“ Story gewartet. Aber es kam keine, so kam ich nicht weiter und habe irgendwann aufgehört zu fragen.

Wie habe ich gelernt, damit umzugehen?

Da die ganze Fragerei zu nichts führte, fing ich an mich mit der Strategie „Haivermeidung“ auseinander zu setzten.

In einer Reportage haben sie mal die Mythen getestet, die angeblich Haie anziehen sollen: Blut, Pippi, glitzernde Sachen, etc. – war den Haien alles total egal! Bis auf den gelben Anzug eines Tauchers, den fand genau ein Hai interessant und kam etwas näher. Ist klar, dass ich an meiner Ausrüstung (bis auf den Octopus-Schlauch) nichts gelbes habe.

Meine Haivermeidungstaktik sah dann so aus, dass ich in Ägypten aus Angst nicht zum Elphinstone-Riff gefahren bin (hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch auf einen Weißspitzen-Hochseehai zu treffen) und auf meiner ersten Karibik-Kreuzfahrt erzählte unser Tauchguide von den zwei Riffhaien die sie bei St. Kitts & Nevis schon getroffen hat – diesen Tauchgang habe ich dann nicht gebucht. So klappte es ganz gut mit der Haivermeidung.

Als dann die Malediven-Reise kurz bevor stand war ich sehr nervös und habe ohne Ende gegoogelt wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Haibegegnung ist, etc. Dabei habe ich allerlei interessante Fakten gelesen. Wusstest du zum Beispiel, dass es auch im Mittelmeer weiße Haie gibt? Oder das mehr Menschen an Wespenstiche sterben als an Haibisse? Unglaublich fand ich die Fakten, dass pro Jahr Millionen von Haie wegen ihren Flossen getötet werden, da stellt sich doch unweigerlich die Frage, wer hier das Monster ist?!

Bei all den interessanten und unglaublichen Fakten habe ich meinen eigentlichen Grund, warum ich all das lese aus den Augen verloren.

Die erste Begegnung mit einem Hai

Auf den Malediven angekommen stand der Check-Dive an. Mein Buddy war total cool, er hatte bereits über 800 Tauchgänge und war die Ruhe in Person. Nach zwei Minuten schickte uns der Guide schon alleine los und kümmerte sich weiter, um die Schnuppertaucher. Ich sah gleich einen riesigen Barsch und tippte meinen Buddy an und zeigte ihm meine Entdeckung und da – ein riesen Kofferfisch, dann tippte er mir auf die Schulter und machte das Taucherzeichen für Hai……….

Mein Herz blieb gefühlt stehen! Kennt ihr das Bild aus findet Nemo, wo Nemos Papa Marlin auf den Hai Bruce trifft und er ihn mit diesen riesigen, messerscharfen Zähnen angrinst? So fühlte ich mich in dem Moment auch. Ich nahm dann all meinen Mut zusammen, schaute in die Richtung und da war er –  ein ca. 1m großer Schwarzspitzen-Riffhai. Der arme Kerl war so erschrocken uns zu sehen, dass er sofort abgehauen ist und ich nur ein Bruchteil von einer Sekunde Zeit hatte ihn überhaupt zu sehen.

Ein Baby-Schwarzspitzen-Riffhai bei der Jagd am Strand

Ein Baby-Schwarzspitzen-Riffhai bei der Jagd am Strand

Total unspektakulär! Fast schon peinlich, dass ich vor so einer Begegnung soviel Angst hatte. Der Kerl war richtig goldig! Genau wie seine kleinen Geschwister die nahe am Strand die kleinen Fishies jagen. Gepackt von der Übermut habe ich einen Kanaltauchgang zu den „Großfischen“ bis auf 35m Tiefe mitgemacht. Auf dem Weg nach unten kam dann wieder die Angst, fast schon Panik  in mir auf – „Was mache ich bloß hier? Bin ich LEBENSMÜDE?“ Mein Buddy wusste dass ich Angst hatte und fragte mich in diesem Moment, ob alles OK ist.  Ich habe wirklich überlegt was ich antworte. Am liebsten wäre ich einfach umgedreht -soll sich doch ein anderer fressen lassen-,  aber aufgeben wollte ich auch nicht, so gab ich das OK Zeichen zurück und bin mutig weiter getaucht.

Auf 35 Meter Tiefe angekommen, legten wir uns auf einen Felsvorsprung, schauten in das Blauwasser und da waren sie und zogen ihre Bahnen – meine ersten „richtigen“ Haie – Weißspitzen-Riffhaie um genau zu sein.  Meine Gefühle waren eine Mischung aus Adrenalin, Tiefenrausch, ein bisschen Angst, Faszination und Stolz!

(Das Video wackelt leider, das lag an dem Tiefenrausch und an meiner Nervosität, ich dachte eigentlich, ich mache Fotos)

Nach dieser Begegnung, nach diesem Erlebnis war ich so begeistert und voller Euphorie, dass ich mich direkt zum nächsten Kanaltauchgang eingetragen habe. Und dort das gleiche Bild, faszinierende Tiere die völlig desinteressiert an uns waren und einfach weiter ihre Bahnen zogen.

Wie habe ich also gelernt damit umzugehen? Ich habe viel über die Tiere und ihr Verhalten gelesen und dabei eine Menge darüber gelernt und ich habe mich der Angst gestellt.

Mein Herz klopft immer noch ganz doll, wenn es heißt „Großfisch-Sichtungen möglich“ aber aus Vorfreude und nicht mehr aus Angst. Bei meinem letzten Ägypten Tauchurlaub habe ich mich sogar ans Elphinstone Riff gewagt und bin dort tatsächlich einem Weißspitzenhochseehai begegnet! Ich war richtig stolz und habe vor lauter Freude darüber das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.

Weißspitzenhochseehai

Weißspitzenhochseehai (Lonigmanus) am Elphinstone Reef

Haie verstehen lernen!

Bei meinen Haibegegungs-Vermeidungs-Recherchen bin ich auf Dr. Erich Ritter, seine Sharkschool und auf seine Info-Veranstaltungen gestoßen. Dr. Erich Ritter ist Haiforscher, er analysiert Haiunfälle, gibt Tipps im Umgang mit Haien und erklärt die Verhaltensweise der Tiere. Die Veranstaltung war damals 2 Wochen nach dem Malediven Aufenthalt und hat mich eigentlich nur bestärkt, dass meine große Angst angebissen zu werden total unbegründet ist. Ich kann jedem, der Angst vor Haien hat – ob Taucher oder nicht, diese Veranstaltung nur empfehlen. Ich würde so gerne mal mit der Sharkschool tauchen gehen – wer weiß, wann es mal soweit ist, auf meiner Bucketliste steht es auf jeden Fall schon mal!

 

 

 

No Comments

Schreibe einen Kommentar