1 In Meer davon...

# Aufklärungsarbeit – im Kampf gegen das Shark-Finning

Titelbild Finning

Als ich aktiv mit dem Tauchen angefangen habe, musste ich mich nach einer gewissen Zeit unweigerlich mit meiner Angst vor Haien auseinander setzen. Anfangs ging es mir darum, wie ich es vermeiden kann auf einen Hai zu treffen, doch je mehr ich recherchiert habe, desto mehr bin ich auf eine Grausamkeit gestoßen, die meinen eigentlichen Recherchegrund in den Schatten gestellt hat: Finning. Beim sogenannten „Finning“ (auch Hai-Finning oder Shark-Finning) werden die Haie gefangen, ihnen – meist noch lebend! – die Flossen (engl.: Fin) abgeschnitten und anschließend werden sie noch lebend zurück ins Meer geworfen. Dort sinkt das Tier völlig bewegungsunfähig auf den Meeresgrund und stirbt (erstickt) qualvoll.

Im Freiwasser vorkommende Haie sind pelagische Haie, das heißt sie „atmen“ durch Bewegung, dadurch fließt Wasser durch die Kiemen und sie decken so ihren Sauerstoffbedarf.

© Oceana.org

Eine unbeschreibliche Grausamkeit und wofür? Zum größtenteils für Haifischflossensuppe! Sie gilt in China leider als Delikatesse. Jährlich werden 100 Millionen (diese Zahl ist so unfassbar) Haie getötet und Haiarten wie der weiße Hai oder der Walhai stehen auf der roten Liste und sind vom Aussterben bedroht.

Doch nicht nur die Chinesen essen Hai, auch bei uns in Deutschland gibt es noch vielerorts Haifleisch in den Regalen der Supermärkte – zum Beispiel : Schillerlocke. Das sind geräucherte Bauchlappen des Dornhais. Die Rückenstücke des Dornhais kommen als „Seeaal“ auf den Markt. Zwar wird die Schillerlocke nicht durch Finning gewonnen, jedoch steht der Dornhai auch auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Ein Dornhai-Weibchen wird je nach Herkunft und Art erst mit 10-35 Jahren geschlechtsreif und ist 24 Monate trächtig. Dies macht deutlich, warum der Dornhai kurz vor der Ausrottung steht. Generell sollte es auch aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden Haiprodukte zu konsumieren, da sie hochgradig mit Methylquecksilber belastet sind.

Aufklärungsarbeit – im Kampf gegen das Finning

Zum Glück gibt es Menschen und Organisationen die sich mit Leib und Seele dem Meeres- und Haischutz verschrieben haben und super Aufklärungsarbeit leisten.  So bin ich auch auf „Stop-Finning Deutschland e.V“ gestoßen.  Was 2006 als Projekt zur Aufklärung gegen das Finning angefangen hat, hat sich in der Zwischenzeit zu einem eingetragenen Verein entwickelt, der sich für Schutz der Knorpelfische und der Meere einsetzt.

Stop-Finning Deutschland e.V. im Interview

Ich habe mich Julian (Gründungsmitglied) und Manuel von Stop-Finning Deutschland e.V. in Frankfurt getroffen und ihnen ein paar Fragen zum Thema Haischutz und ihrer ehrenamtlichen Arbeit gestellt:

Sandra: „Wie seid ihr vor der Gründung des Projektes auf die Problematik  des Finnings aufmerksam geworden?”
Julian: „So genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Ich glaube, wenn man sich mit dem Thema Meeresschutz beschäftigt, und das mach ich schon seit klein auf, zuerst nur über das Meer und Wale, und wenn man dann bei Thema „Haie“ ankommt , stolpert man unweigerlich über das Thema Finning bzw. über die Problematik des Finnings.”

Sandra: „Welche Erfolge konntet ihr mit eurer Arbeit schon erreichen?”
Julian/Manuel: „Unter anderem konnten wir bereits erreichen, dass ein Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller sein Produkt, welches Blauhaiknorpel enthält, uns zugesagt hat, diese durch Alternativen ersetzen zu wollen. Unser größter Erfolg war aber bis jetzt, dass die Rewe Group zugesagt hat, keine Haiprodukte (Schillerlocke) mehr zu führen.”

Sandra: „Welche Ziele/Projekte strebt ihr momentan an?
Julian/Manuel: „Aktuell sind wir daran weiter aufzuklären und zu recherchieren, wo überall „Hai“ drin steckt, die Recherchen sind allerdings nicht einfach und gestalten sich oft schwierig, da Hai nicht deklariert werden muss. Es reicht lediglich die Angabe „Fisch“ aus, zum Beispiel bei: Nahrungsergänzungsmittel (u.a. Fischöle), Tierfutter (Fischöle für Haut und Fell bei Hunde/Pferde) oder auch bei Kosmetika (Lippenstifte, Hautcremes,). Generell versuchen wir immer über die Öffentlichkeitsarbeit mit Social Media, Standarbeit und Vorträgen so viele Menschen wie möglich aufzuklären.”

Sandra: „Wofür muss den Hai in Kosmetika?”
Julian/Manuel: „Haie haben nicht wie andere Fische eine Schwimmblase, sondern nutzen ihre große, fettreiche Leber zum Auftrieb und daraus kann man sehr viel Squalen gewinnen. Zwar produzieren auch Pflanzen und Menschen Squalen, doch in der Haileber (z. Bps. bei Wal- und Riesenhaien) hat es eine sehr hohe Konzentration und das macht es für die Kosmetikbranche interessant. In Lippenstiften und Hautcremes ist oft Squalen enthalten. Eine chinesische Firma hat sich sogar darauf spezialisiert, das Squalen aus Wal- und Riesenhaien zu gewinnen. Nicht nur auf Tierversuche sollte man also achten, sondern immer auch auf die Inhaltsstoffe.”

Sandra: „Der Countdown-Zähler auf eurer Homepage www.stop-finning.com ist sehr erschreckend! Stimmen diese Zahlen tatsächlich?”
Julian/Manuel: „Die Zahlen sind ein wenig spekulativ, da es keine verlässlichen Zahlen gibt, wenn es um Haie geht. Man geht aber davon aus, dass es pro Sekunde in etwa 2 Haie getötete Haie sind. Die Problematik ist, dass nur ein winziger Bruchteil der Haifänge überhaupt an die FAO (Food and Agriculture Organziation of the United Nations) gemeldet werden.”

Sandra: „Wie kann man als Einzelperson einen Beitrag zum Thema Haischutz beitragen?”
Julian/Manuel: „Das fängt schon mit so Kleinigkeiten an, wie zum Beispiel das Brötchen mit Schillerlocke nicht zu kaufen oder beim Asiaten das Hai-Steak liegen zu lassen und man das auch seinen Freunden, Bekannten und Verwandten weitersagt. Sprecht auch einen Händler direkt an, wenn er Hai im Angebot hat. Über unsere Webseite habt ihr auch die Möglichkeit uns Haiprodukte zu melden.”

Letztendlich kann man den Verkauf von Haiprodukten nur durch den Konsum einschränken und das geht am besten durch Aufklärungsarbeit – weltweit!

Danke an Julian und Manuel für das nette und informative Interview.

Shark Savers Germany – A Golden State for Sharks

Auch die Organisation Shark Savers Germany setzt sich stark für Meeres- und Haischutz ein. Sie haben zu dem Thema Haischutz und zu den fragwürdigen Haikontrollprogramm in Australien einen sehr informativen und interessanten Aufklärungsfilm gedreht:

 

weiterer Filmtipp:

Ebenfalls greift der Dokumentar-Film „Sharkwater – Wenn Haie sterben,“ von dem leider kürzlich verstorbenen Rob Stewart, die Thematik auf und zeigt wie wichtig es ist diese Tiere vor dem Monster „Mensch“ zu schützen.

 

 

 

 

 

 

So kannst du helfen

Es ist wirklich erschreckend, was der Mensch den Tieren und der Umwelt antut, aber wir müssen nicht tatenlos zu gucken. Auch du kannst helfen:

  • erzähle deiner Familie, Freunden und Bekannten von dem Thema, kläre sie über die Missstände auf
  • unterschreibe Petitionen
  • vermeide Produkte die mit oder aus Hai hergestellt werden (achte bei Kosmetik und Tierfutter auf die Inhaltsstoffe, ggf. frage beim Hersteller nach)
  • unterstütze die Organisationen mit einer Spende oder dem Kauf vom Merchandising
  • werde selbst Aktivist und schließe dich einer Organisation an

1 Comment

  • Reply
    # Meine Angst vor Haien und wie ich gelernt habe, damit umzugehen - Logbuch-Travelblog
    21. Juni 2017 at 11:49

    […] Wespenstiche sterben als an Haibisse? Unglaublich fand ich die Fakten, dass pro Jahr Millionen von Haie wegen ihren Flossen getötet werden, da stellt sich doch unweigerlich die Frage, wer hier das Monster […]

  • Schreibe einen Kommentar